Gute Eltern müssen nicht immer ruhig sein

Viele Eltern kennen diesen Moment: Man kommt müde von der Arbeit nach Hause, im Kopf sind noch zehn unerledigte Dinge, und genau dann beginnt das Kind zu streiten, verweigert die Hausaufgaben oder möchte etwas, für das gerade überhaupt keine Kraft vorhanden ist.

Man nimmt sich vor, ruhig zu bleiben. Wenige Minuten später wird man laut.

Danach kommt häufig das schlechte Gewissen.

Doch Elternschaft besteht nicht darin, jederzeit vollkommen gelassen zu reagieren. Viel wichtiger ist die Fähigkeit, sich selbst wahrzunehmen und nach einem Konflikt wieder in Beziehung zu kommen.

Kinder brauchen keine perfekten Eltern. Sie brauchen Erwachsene, die Verantwortung für ihr eigenes Verhalten übernehmen können.

Ein einfacher Satz wie: „Ich war gerade sehr wütend und habe zu laut gesprochen“ kann für ein Kind eine wichtige Erfahrung sein. Es lernt: Konflikte zerstören Beziehungen nicht automatisch. Menschen können Fehler machen, darüber sprechen und wieder aufeinander zugehen.

Gerade in belastenden Lebensphasen geraten Eltern leicht in alte Muster. Manchmal hört man plötzlich die Sätze aus dem eigenen Mund, die man als Kind selbst nicht hören wollte. Das ist kein ungewöhnlicher Vorgang. Unter Stress greifen Menschen häufig auf tief eingeprägte Reaktionen zurück.

Deshalb beginnt Erziehung nicht ausschließlich beim Kind. Sie beginnt auch bei der Frage:

Was passiert eigentlich mit mir, wenn mein Kind mich herausfordert?

Wer die eigenen Gefühle früher erkennt, gewinnt Handlungsspielraum. Zwischen Ärger und Reaktion entsteht ein kleiner Moment, in dem eine Entscheidung möglich wird.

Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten elterlichen Fähigkeiten: nicht niemals wütend zu werden, sondern immer wieder den Weg zurück zur Beziehung zu finden.

Die Themen elterliche Überforderung, eigene biografische Muster und praktische Unterstützung im Erziehungsalltag greift Main Vita auch in seinem Elternangebot auf.